Begutachtungsleitlinien der MPU: Grundlage, MPU-Gutachten und Ablauf der Begutachtung
Fachlich geprüft von der Redaktion SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro · Stand: Oktober 2026
Die Begutachtungsleitlinien der MPU – amtlich „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung“ – sind das Regelwerk, nach dem Gutachter beurteilen, ob eine Person zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist, auch bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Wer ein MPU-Gutachten beibringen muss, erkennt an ihnen, nach welchen Maßstäben die Begutachtungsstelle urteilt. Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro, TÜV NORD Partner, erklärt hier, wie Leitlinien, Anordnung und MPU zusammenhängen; wann Alkohol am Steuer rechtliche Folgen hat, lesen Sie im Eintrag Alkohol im Verkehrsrecht.
Kurz erklärt:
- Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung sind nach Anlage 4a FeV die Grundlage für die Beurteilung der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen; maßgeblich ist die Fassung vom 12. Dezember 2025.
- Ein MPU-Gutachten (medizinisch-psychologisches Gutachten) erstellt eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung, wenn die Fahrerlaubnisbehörde es zur Klärung von Eignungszweifeln anordnet (§ 11 Abs. 3 FeV).
- Bei Alkohol ordnet die Behörde ein MPU-Gutachten unter anderem an, wenn ein Fahrzeug bei 1,6 Promille oder mehr Blutalkohol oder 0,8 mg/l oder mehr Atemalkohol geführt wurde (§ 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c FeV).
- Weigern Sie sich, sich untersuchen zu lassen, oder bringen Sie das Gutachten nicht fristgerecht bei, darf die Behörde auf Ihre Nichteignung schließen (§ 11 Abs. 8 FeV).
1. Was sind die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung?
Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung sind ein Regelwerk, das bei der fachlichen und einheitlichen Beurteilung der Fahreignung hilft. Sie sind die Grundlage jeder Fahreignungsbegutachtung – für das MPU-Gutachten ebenso wie für ein ärztliches Gutachten.
Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Nach Anlage 4a FeV sind „Grundlage für die Beurteilung der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen“ die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung vom 27. Januar 2014 (VkBl. S. 110) in der Fassung vom 12. Dezember 2025 (VkBl. S. 86). Für die ärztliche und die medizinisch-psychologische Untersuchung und die Gutachten gelten die Grundsätze dieser Anlage (§ 11 Abs. 5 FeV).
Praxis: Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) haben die Leitlinien durch die Verankerung in Anlage 4a FeV und die Veröffentlichung im Verkehrsblatt normativen Charakter. Werden sie angewandt, bedarf es keiner ausdrücklichen Begründung; eine Abweichung, etwa weil ein Einzelfall fachlich anders zu würdigen ist, ist möglich, braucht aber in der Regel eine detaillierte Begründung. So bleibt die Begutachtung einheitlich, und Einzelfälle können trotzdem ihrer Besonderheit entsprechend gewürdigt werden – auch im Interesse der Mobilität der Betroffenen.
2. Was ist eine MPU und wann wird ein MPU-Gutachten angeordnet?
MPU steht für medizinisch-psychologische Untersuchung; ihr Ergebnis ist das medizinisch-psychologische Gutachten, umgangssprachlich MPU-Gutachten. Die Fahrerlaubnisbehörde kann es bei Zweifeln an der Fahreignung anordnen und muss es in bestimmten Alkohol- und Drogenfällen anordnen.
Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Nach § 11 Abs. 3 FeV kann die Behörde das Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung zur Klärung von Eignungszweifeln anordnen, unter anderem bei einem erheblichen Verstoß oder wiederholten Verstößen gegen verkehrsrechtliche Vorschriften, bei Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und bei der Neuerteilung, wenn die Fahrerlaubnis wiederholt entzogen war. Bei Alkohol ordnet sie es nach § 13 Satz 1 Nr. 2 FeV an, wenn zum Beispiel ein Fahrzeug bei einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr oder einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg/l oder mehr geführt wurde oder wiederholt Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss begangen wurden; Zuwiderhandlungen ausschließlich gegen § 24c StVG zählen dabei nicht. Bei Betäubungsmitteln ist das Gutachten nach § 14 Abs. 2 FeV anzuordnen, unter anderem wenn die Fahrerlaubnis aus einem der dort genannten Gründe entzogen war.
Praxis: Die Behörde legt in der Anordnung fest, welche Fragen zu klären sind, nennt die Gründe für ihre Zweifel und eine Frist; Sie unterziehen sich der Untersuchung auf Ihre Kosten, und die Untersuchung erfolgt auf Grund Ihres Auftrags (§ 11 Abs. 6 FeV). Wie Verstöße im Fahreignungsregister bewertet werden, erklärt der Eintrag Punktesystem. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.
3. Wie läuft die MPU-Begutachtung nach den Leitlinien ab?
Die MPU ist anlassbezogen: Untersucht wird, was die Fahrerlaubnisbehörde fragt, und nur, was für die Kraftfahreignung von Bedeutung ist. Die Grundsätze für Untersuchung und Gutachten stehen in Anlage 4a FeV.
Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Der Gutachter hat sich an die von der Behörde vorgegebene Fragestellung zu halten; Gegenstand sind nicht die gesamte Persönlichkeit, sondern nur Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die für die Kraftfahreignung von Bedeutung sind, und vor der Untersuchung muss er Sie über Gegenstand und Zweck aufklären (Anlage 4a Nr. 1 Buchst. a, b, d FeV). In den Fällen der §§ 13, 13a und 14 FeV geht es auch um das voraussichtliche künftige Verhalten: Hat Abhängigkeit vorgelegen, muss eine stabile Abstinenz bestehen; bei Alkoholmissbrauch ohne Abhängigkeit kommt es darauf an, ob Sie den Konsum von Alkohol und das Führen von Kraftfahrzeugen zuverlässig voneinander trennen können. Die Fahrerlaubnis kann nur erteilt werden, wenn sich ein grundlegender Wandel in der Einstellung vollzogen hat und Bedingungen vorhanden sind, die einen Rückfall als unwahrscheinlich erscheinen lassen (Anlage 4a Nr. 1 Buchst. f FeV).
Praxis: Das Gutachten muss allgemeinverständlich, nachvollziehbar und nachprüfbar sein (Anlage 4a Nr. 2 Buchst. a FeV). Abstinenzbelege werden nur von Stellen anerkannt, die Terminvergabe, Identitätskontrolle und Probenentnahme nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gewährleisten (Nr. 6 Buchst. b). Wer Personen auf die Begutachtung vorbereitet oder Kurse zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung anbietet, darf sie nicht selbst begutachten (Nr. 5).
4. Was regeln die Begutachtungsleitlinien inhaltlich und wie sind sie entstanden?
Die Leitlinien bestehen aus einem allgemeinen Teil mit Grundsätzen der Begutachtung und einem speziellen Teil zu einzelnen Erkrankungen, Mängeln und Auffälligkeiten. Sie gehen auf das Jahr 1973 zurück und werden heute Kapitel für Kapitel überarbeitet.
| Teil | Beispiele aus dem Inhalt |
|---|---|
| Allgemeiner Teil | Anforderungen an die psychische Leistungsfähigkeit, Kompensation von Eignungsmängeln, kumulierte Auffälligkeiten |
| Erkrankungen | unter anderem Sehvermögen, Hörvermögen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Diabetes mellitus, epileptische Anfälle und Epilepsien, psychische Störungen |
| Suchtmittel | Alkohol und Cannabis, Betäubungsmittel und Arzneimittel |
| Verhalten | Straftaten, Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften, Fahrgastbeförderung, Ausnahmen vom Mindestalter |
Praxis: Nach Angaben der BASt gibt das Bundesverkehrsministerium die Leitlinien seit 1973 heraus; früher hießen sie „Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung“. In der 6. Auflage von 2000 wurde das frühere Gutachten „Krankheit und Kraftverkehr“ mit dem „Psychologischen Gutachten Kraftfahreignung“ zusammengeführt. Seitdem überarbeiten Expertengruppen der jeweiligen Fachgebiete unter Leitung der BASt die Kapitel einzeln, etwa Epilepsie (2009), Diabetes mellitus (2014 und 2018) sowie Herz- und Gefäßkrankheiten (2016, 2018 und 2019). Zuletzt wurden die Kapitel Hirngefäßerkrankungen, Alkohol und Cannabis sowie Betäubungsmittel und Arzneimittel überarbeitet; sie gelten seit dem 19. August 2026 (BASt, Übersicht der Kapitel).
Eine geänderte Fassung gilt nach Angaben der BASt nicht schon mit der Veröffentlichung im Verkehrsblatt, sondern erst, wenn die Änderung der Anlage 4a FeV in Kraft tritt, die auf diese Veröffentlichung verweist.
5. Fazit: Leitlinien kennen, Anordnung genau lesen
Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung sind der Maßstab, nach dem eine Begutachtungsstelle für Fahreignung ein MPU-Gutachten erstellt; verbindlich sind sie über Anlage 4a FeV. Angeordnet wird die MPU von der Fahrerlaubnisbehörde, wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen. Lesen Sie die Anordnung genau, beachten Sie die Frist und holen Sie sich bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall Rat bei einem Fachanwalt für Verkehrsrecht.
6. FAQ – Häufige Fragen zu den Begutachtungsleitlinien der MPU
Was ist der Unterschied zwischen MPU und medizinisch-psychologischem Gutachten?
Die MPU ist die medizinisch-psychologische Untersuchung selbst, das medizinisch-psychologische Gutachten ihr schriftliches Ergebnis. Die Fahrerlaubnisbehörde verlangt nach § 11 Abs. 6 FeV, dass Sie sich innerhalb einer Frist der Untersuchung unterziehen und das Gutachten beibringen. Das Gutachten muss nach Anlage 4a FeV allgemeinverständlich, nachvollziehbar und nachprüfbar sein und zwischen der Vorgeschichte und dem gegenwärtigen Befund unterscheiden.
Wer darf ein MPU-Gutachten erstellen?
Ein medizinisch-psychologisches Gutachten erstellt eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung (§ 11 Abs. 3 FeV). Welche Stellen in Betracht kommen, nennt die Fahrerlaubnisbehörde in der Anordnung; Sie beauftragen die Stelle selbst und teilen der Behörde mit, welche Stelle Sie gewählt haben (§ 11 Abs. 6 FeV). Wer Personen auf die Begutachtung vorbereitet, darf sie nach Anlage 4a Nr. 5 FeV nicht selbst begutachten.
Wann reicht ein ärztliches Gutachten statt einer MPU?
Bestehen Bedenken gegen die körperliche oder geistige Eignung, kann die Fahrerlaubnisbehörde nach § 11 Abs. 2 FeV zunächst ein ärztliches Gutachten anordnen. Begründen Tatsachen die Annahme von Alkoholabhängigkeit, ist nach § 13 Satz 1 Nr. 1 FeV ein ärztliches Gutachten beizubringen. Ein medizinisch-psychologisches Gutachten kann zusätzlich angeordnet werden, wenn es nach Würdigung des ärztlichen Gutachtens erforderlich ist (§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FeV).
Wer trägt die Kosten der MPU?
Die Kosten trägt die betroffene Person: Nach § 11 Abs. 6 FeV teilt die Fahrerlaubnisbehörde mit, dass Sie sich innerhalb einer von ihr festgelegten Frist auf Ihre Kosten der Untersuchung zu unterziehen und das Gutachten beizubringen haben. Wird für die Untersuchung ein Dolmetscher oder Übersetzer hinzugezogen, trägt nach Anlage 4a Nr. 4 FeV ebenfalls die zu untersuchende Person die Kosten. Die Höhe nennt die Begutachtungsstelle.
Was passiert, wenn man das MPU-Gutachten nicht vorlegt?
Weigern Sie sich, sich untersuchen zu lassen, oder bringen Sie das geforderte Gutachten nicht fristgerecht bei, darf die Fahrerlaubnisbehörde bei ihrer Entscheidung auf Ihre Nichteignung schließen (§ 11 Abs. 8 FeV). Darauf muss sie Sie schon in der Anordnung hinweisen. Steht die Nichteignung für die Behörde bereits fest, ordnet sie gar kein Gutachten an (§ 11 Abs. 7 FeV). Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.
7. Quellen
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), § 11 – Eignung, Abs. 2, 3, 5 bis 8 (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 27.10.2026
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), § 13 – Klärung von Eignungszweifeln bei Alkoholproblematik (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 27.10.2026
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), § 14 – Klärung von Eignungszweifeln im Hinblick auf Betäubungsmittel und Arzneimittel (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 27.10.2026
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 4a – Grundsätze für die Durchführung der Untersuchungen und die Erstellung der Gutachten (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 27.10.2026
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung – Hintergrund und Stellenwert, abgerufen am 27.10.2026
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt): Begutachtungsleitlinien – Übersicht Kapitel und Gültigkeit, abgerufen am 27.10.2026
8. Beratung durch unabhängige Kfz-Sachverständige in Hamburg
Wo bekommen Sie in Hamburg ein MPU-Gutachten? Ein medizinisch-psychologisches Gutachten erstellt eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung; welche Stellen in Betracht kommen, teilt Ihnen die Fahrerlaubnisbehörde in der Anordnung mit (§ 11 Abs. 6 FeV). Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro ist keine Begutachtungsstelle für Fahreignung, sondern ein Kfz-Sachverständigenbüro mit öffentlich bestellten und vereidigten Kfz-Sachverständigen und ist an zwei Standorten in Hamburg für Sie da: Wandsbek und Hoheluft. Was das Büro rund um Ihr Fahrzeug leistet, lesen Sie auf der Seite Kfz-Gutachter in Hamburg.
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