Datum 23.10.2023
Ein Auto schleppt ein liegen gebliebenes Auto mit einem kurzen Abschleppseil mit rotem Lappen ab

Abschleppen, Schleppen und Verbringen: Unterschied, Regeln und Führerschein

Fachlich geprüft von der Redaktion SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro · Stand: Oktober 2026

Abschleppen ist das Ziehen eines liegen gebliebenen, betriebsunfähigen Kraftfahrzeugs durch ein anderes Fahrzeug, Schleppen dagegen das Betreiben eines Kraftfahrzeugs als Anhänger, und Verbringen bezeichnet allgemein das Wegbringen eines Fahrzeugs an einen anderen Ort, etwa durch einen Abschleppdienst. Die Unterscheidung ist wichtig, weil das Schleppen grundsätzlich verboten ist, das Abschleppen nach einer Panne dagegen unter festen Regeln erlaubt ist und davon auch abhängt, welche Fahrerlaubnis nötig ist. Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro, TÜV NORD Partner, beurteilt Fahrzeuge, die nach einem Unfall liegen geblieben sind, im Schadengutachten; klären Sie vorab, wer die Kosten trägt.

Kurz erklärt:

  • Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart zum Betrieb als Kraftfahrzeug bestimmt sind, dürfen nach § 33 StVZO nicht als Anhänger betrieben werden; dieses Schleppen ist ohne Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO nicht erlaubt.
  • Beim Abschleppen eines liegen gebliebenen Fahrzeugs schalten beide Fahrzeuge das Warnblinklicht ein, eine Autobahn ist an der nächsten Ausfahrt zu verlassen, und Krafträder dürfen nicht abgeschleppt werden (§ 15a StVO).
  • Abschleppseil oder Abschleppstange erlauben nach § 43 Abs. 3 StVZO höchstens 5 m lichten Abstand und müssen ausreichend erkennbar sein, zum Beispiel durch einen roten Lappen.
  • Beim Abschleppen eines Kraftfahrzeugs genügt nach § 6 Abs. 1 FeV die Fahrerlaubnis für die Klasse des abschleppenden Fahrzeugs; eine Klasse BE ist dafür nicht nötig.

1. Was ist der Unterschied zwischen Schleppen und Abschleppen?

Beim Schleppen wird ein Kraftfahrzeug wie ein Anhänger von einem anderen Fahrzeug gezogen, ohne dass es liegen geblieben ist. Abschleppen ist dagegen die Hilfe für ein liegen gebliebenes, betriebsunfähiges Fahrzeug. Das Schleppen ist grundsätzlich verboten, das Abschleppen unter Auflagen erlaubt.

Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Nach § 33 StVZO dürfen Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart zum Betrieb als Kraftfahrzeug bestimmt sind, nicht als Anhänger betrieben werden. Die heutige Fassung der Vorschrift besteht nur aus diesem einen Satz; eine eigene Ausnahmegenehmigung regelt § 33 StVZO nicht mehr. Ausnahmen von § 33 StVZO können nach § 70 Abs. 1 Nr. 1 StVZO die höheren Verwaltungsbehörden in bestimmten Einzelfällen oder allgemein für bestimmte einzelne Antragsteller genehmigen. Wer ein Kraftfahrzeug vorsätzlich oder fahrlässig unter Verstoß gegen § 33 StVZO in Betrieb nimmt, handelt nach § 69a Abs. 3 Nr. 3 StVZO ordnungswidrig.

Eine gesetzliche Definition von „Schleppen“ und „Abschleppen“ gibt es nicht. Die Abgrenzung ergibt sich aus dem Wortlaut der Vorschriften: § 15a StVO regelt das Abschleppen eines „liegen gebliebenen Fahrzeugs“, und nach § 42 Abs. 2a StVZO gelten die Grenzen für die Anhängelast nicht „für das Abschleppen von betriebsunfähigen Fahrzeugen“. Ein abgeschlepptes Pannenfahrzeug wird also nicht wie ein Anhänger behandelt.

2. Welche Regeln gelten beim Abschleppen eines Autos?

Wer ein liegen gebliebenes Auto abschleppt, muss die Regeln aus § 15a StVO und § 43 StVZO einhalten. Sie betreffen die Autobahn, das Warnblinklicht, Krafträder und die Verbindung zwischen den Fahrzeugen.

Wer ein auf der Autobahn liegen gebliebenes Fahrzeug abschleppt, muss die Autobahn bei der nächsten Ausfahrt verlassen; ein außerhalb der Autobahn liegen gebliebenes Fahrzeug darf nicht in die Autobahn eingeschleppt werden (§ 15a Abs. 1 und 2 StVO). Während des Abschleppens haben beide Fahrzeuge Warnblinklicht einzuschalten (§ 15a Abs. 3 StVO), und Krafträder dürfen nicht abgeschleppt werden (§ 15a Abs. 4 StVO). Bei Abschleppseil oder Abschleppstange darf der lichte Abstand zwischen ziehendem und gezogenem Fahrzeug nicht mehr als 5 m betragen; Seil oder Stange sind ausreichend erkennbar zu machen, zum Beispiel durch einen roten Lappen (§ 43 Abs. 3 StVZO). Personenkraftwagen müssen vorn und – sofern nach der Betriebserlaubnis eine Anhängelast zulässig ist – auch hinten eine Einrichtung zum Befestigen von Abschleppstange oder Abschleppseil haben (§ 43 Abs. 2 StVZO). Die Grenzen für die Anhängelast nach § 42 Abs. 1 und 2 StVZO gelten beim Abschleppen betriebsunfähiger Fahrzeuge nicht (§ 42 Abs. 2a StVZO).

Punkt Was gilt beim Abschleppen? Vorschrift
Autobahn an der nächsten Ausfahrt verlassen; liegen gebliebene Fahrzeuge nicht in die Autobahn einschleppen § 15a Abs. 1, 2 StVO
Warnblinklicht bei beiden Fahrzeugen einschalten § 15a Abs. 3 StVO
Krafträder dürfen nicht abgeschleppt werden § 15a Abs. 4 StVO
Seil oder Stange höchstens 5 m lichter Abstand, ausreichend erkennbar machen § 43 Abs. 3 StVZO
Anhängelast Grenzen nach § 42 Abs. 1 und 2 gelten nicht für betriebsunfähige Fahrzeuge § 42 Abs. 2a StVZO

Praxis: Nach Angaben des ADAC dürfen nur Fahrzeuge abgeschleppt werden, die nicht mehr fahrbereit sind; ist die Elektrik ausgefallen, soll ein professionelles Abschleppunternehmen beauftragt werden. Seil oder Stange werden laut ADAC am jeweiligen Abschlepphaken befestigt, jedoch nicht diagonal, weil das Auto sonst ausbrechen könnte.

3. Welchen Führerschein braucht man zum Abschleppen?

Zum Abschleppen eines Pkw genügt die Fahrerlaubnis für das abschleppende Fahrzeug, bei einem Pkw also in der Regel die Klasse B. Eine Klasse BE ist zum Abschleppen nicht nötig, weil das abgeschleppte Fahrzeug nicht als Anhänger zählt.

Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): § 6 Abs. 1 FeV bestimmt: „Beim Abschleppen eines Kraftfahrzeugs genügt die Fahrerlaubnis für die Klasse des abschleppenden Fahrzeugs.“ Das gilt auch dann, wenn das abgeschleppte Fahrzeug schwerer als 750 kg ist. Die Regel gilt für jedes abgeschleppte Kraftfahrzeug, also auch für einen Lkw oder Bus; maßgeblich ist die Klasse des abschleppenden Fahrzeugs. Ob die Person am Steuer des abgeschleppten Fahrzeugs eine Fahrerlaubnis braucht, regelt dieser Satz nicht. Nach Angaben des ADAC braucht der Lenker des defekten Fahrzeugs keinen Führerschein, sollte aber hinsichtlich Körpergröße, Kraft und Erfahrung geeignet sein, das Auto sicher zum Bestimmungsort zu bringen.

Anders beim Schleppen mit Ausnahmegenehmigung: Dann wird ein Kraftfahrzeug als Anhänger betrieben. Für Fahrzeugkombinationen mit Anhänger legt § 6 Abs. 1 FeV fest, dass die Klasse B Kraftfahrzeuge bis 3 500 kg zulässige Gesamtmasse auch mit Anhänger bis 750 kg oder mit Anhänger über 750 kg umfasst, sofern 3 500 kg zulässige Gesamtmasse der Kombination nicht überschritten werden; die Klasse BE gilt für Kombinationen aus einem Zugfahrzeug der Klasse B und einem Anhänger bis 3 500 kg zulässige Gesamtmasse. Eine Klasse „E“ allein nennt § 6 Abs. 1 FeV nicht. Welche Fahrerlaubnis die Person am Steuer des geschleppten Fahrzeugs braucht, regelt die heutige Fassung von § 33 StVZO nicht; klären Sie das mit der Behörde, die die Ausnahme erteilt.

Wer ein Kraftfahrzeug führt, obwohl er die dazu erforderliche Fahrerlaubnis nicht hat, wird nach § 21 Abs. 1 Nr. 1 StVG mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft; das gilt auch für den Fahrer des ziehenden Fahrzeugs.

Praxis: Der Fahrer des Pannenfahrzeugs kuppelt nach Angaben des ADAC immer aus und zeigt bei defektem Blinker nachfolgenden Fahrzeugen Richtungsänderungen per Handzeichen an.

4. Was bedeutet das Verbringen eines Fahrzeugs?

„Verbringen“ ist kein gesetzlich definierter Begriff der hier genannten Vorschriften. Im Sprachgebrauch meint er, dass ein Fahrzeug an einen anderen Ort gebracht wird, etwa mit einem Abschleppwagen nach einer Panne oder durch eine Behörde, die ein falsch abgestelltes Fahrzeug umsetzt.

In Hamburg wird ein verbotswidrig abgestelltes Fahrzeug im Wege der Ersatzvornahme nach dem Hamburgischen Verwaltungsvollstreckungsgesetz umgesetzt; das Wegfahrgebot aus dem Verkehrszeichen ist ein sofort vollziehbarer Verwaltungsakt, und die Kosten werden per Gebührenbescheid verlangt (VG Hamburg, Urteil vom 23.08.2021, 9 K 1327/20). Die Maßnahme muss verhältnismäßig sein: Nach dem Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 09.04.2014, 3 C 5.13, Leitsatz) kann es geboten sein, mit der Abschleppanordnung zu warten, etwa wenn konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Verantwortliche kurzfristig wieder am Fahrzeug erscheinen und es unverzüglich selbst entfernen wird. Eine im Fahrzeug hinterlassene Telefonnummer schützt nicht automatisch: Der für den Verkehrsverstoß Verantwortliche hat das Risiko für seine jederzeitige Erreichbarkeit zu tragen (BVerwG, 3 C 5.13). Wie sich Gebühren und Auslagen dabei zusammensetzen, erklärt unser Eintrag Umsetzungsgebühren und Abschleppkosten.

Wer die Kosten für das Abschleppen nach einem Verkehrsunfall trägt, erklärt unser Eintrag Abschleppkosten. Die sogenannten Verbringungskosten in einer Werkstattrechnung meinen etwas anderes als das Abschleppen.

5. Fazit: Abschleppen ist erlaubt, Schleppen braucht eine Ausnahme

Ein liegen gebliebenes Fahrzeug dürfen Sie mit Seil oder Stange abschleppen, wenn Sie die Regeln aus § 15a StVO und § 43 StVZO einhalten; dafür genügt die Fahrerlaubnis für das ziehende Fahrzeug. Ein Kraftfahrzeug, das nicht liegen geblieben ist, als Anhänger zu schleppen, ist ohne Ausnahmegenehmigung nicht erlaubt. Prüfen Sie vor dem Abschleppen die Bedienungsanleitung beider Fahrzeuge und beauftragen Sie im Zweifel einen Abschleppdienst.

6. FAQ – Häufige Fragen zum Abschleppen und Schleppen

Darf man ohne Führerschein ein abgeschlepptes Fahrzeug lenken?

§ 6 Abs. 1 FeV regelt nur die Fahrerlaubnis für das abschleppende Fahrzeug, nicht für das gezogene. Nach Angaben des ADAC braucht der Lenker des defekten Fahrzeugs keinen Führerschein, sollte aber nach Körpergröße, Kraft und Erfahrung geeignet sein, das Auto sicher ans Ziel zu bringen. Er kuppelt aus und zeigt bei defektem Blinker Richtungsänderungen per Handzeichen an. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Darf man ein Motorrad abschleppen?

Nein. Nach § 15a Abs. 4 StVO dürfen Krafträder nicht abgeschleppt werden, also weder mit einem Abschleppseil noch mit einer Abschleppstange hinter einem anderen Fahrzeug. Ein liegen gebliebenes Motorrad muss deshalb auf andere Weise vom Pannenort weggebracht werden, zum Beispiel auf der Ladefläche eines Abschleppwagens. Wer unsicher ist, wie das Motorrad sicher transportiert wird, fragt am besten direkt beim Abschleppdienst oder beim Pannendienst nach.

Muss ein Pkw eine Abschleppöse haben?

Ja. Nach § 43 Abs. 2 StVZO müssen Personenkraftwagen vorn eine ausreichend bemessene und leicht zugängliche Einrichtung zum Befestigen einer Abschleppstange oder eines Abschleppseils haben. Hinten ist sie ebenfalls Pflicht, ausgenommen Pkw, für die nach der Betriebserlaubnis keine Anhängelast zulässig ist. Wo die Öse sitzt und wie sie eingeschraubt wird, steht in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs.

Ist Schleppen ohne Ausnahmegenehmigung verboten?

Ja. § 33 StVZO verbietet, Fahrzeuge, die nach ihrer Bauart zum Betrieb als Kraftfahrzeug bestimmt sind, als Anhänger zu betreiben. Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen § 33 StVZO verstößt, handelt nach § 69a Abs. 3 Nr. 3 StVZO ordnungswidrig. Eine Ausnahme können die höheren Verwaltungsbehörden in bestimmten Einzelfällen oder allgemein für bestimmte einzelne Antragsteller genehmigen (§ 70 Abs. 1 Nr. 1 StVZO).

Was gilt beim Abschleppen eines Autos mit Automatikgetriebe?

Eine eigene gesetzliche Regel für Automatikfahrzeuge enthalten § 15a StVO und § 43 StVZO nicht; es gelten dieselben Vorschriften wie für alle Pkw. Der ADAC rät, bei Autos mit Automatikgetriebe sowie bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen die Besonderheiten in der Bedienungsanleitung zu beachten. Steht dort, dass das Fahrzeug nicht gezogen werden darf, beauftragen Sie besser einen Abschleppdienst.

8. Beratung durch unabhängige Kfz-Sachverständige in Hamburg

Wer prüft in Hamburg, ob ein liegen gebliebenes oder abgeschlepptes Fahrzeug nach einem Unfall beschädigt ist? Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro mit öffentlich bestellten und vereidigten Kfz-Sachverständigen ist an zwei Standorten in Hamburg für Sie da: Wandsbek und Hoheluft. Unsere Sachverständigen beurteilen den Schaden und dokumentieren ihn unabhängig; mehr dazu auf der Seite Kfz-Gutachter in Hamburg. Klären Sie vorab, wer die Kosten trägt.

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