Gutachterkosten: Wer zahlt im Haftpflicht- und im Kaskoschaden?
Fachlich geprüft von der Redaktion SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro · Stand: Oktober 2026
Gutachterkosten sind das Grundhonorar und die Nebenkosten, die ein Kfz-Sachverständiger für ein Gutachten über einen Fahrzeugschaden in Rechnung stellt. Wer diese Kosten am Ende trägt, hängt davon ab, ob ein Unfallgegner für den Schaden haftet oder ob die eigene Kaskoversicherung leistet. Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro, TÜV NORD Partner, erstellt in Hamburg Schadengutachten nach Unfällen.
Kurz erklärt:
- Im Haftpflichtschaden gehören Gutachterkosten zum Schaden, den der Schädiger ersetzen muss, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Anspruchs erforderlich und zweckmäßig war.
- Haftet der Unfallgegner nur zu einem Teil, erstattet er die Gutachterkosten nur im Umfang seiner Haftungsquote.
- Die Kaskoversicherung erstattet die Kosten eines Sachverständigen nach den Musterbedingungen des GDV nur, wenn sie dessen Beauftragung veranlasst oder ihr zugestimmt hat.
1. Wer zahlt die Gutachterkosten nach einem unverschuldeten Unfall?
Nach einem unverschuldeten Unfall ersetzt der Schädiger die Gutachterkosten, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlich und zweckmäßig war. Gutachterkosten werden dabei dem Sachschaden zugerechnet.
Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Wird beim Betrieb eines Kraftfahrzeugs eine Sache beschädigt, ist der Halter nach § 7 Abs. 1 StVG zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Bei der Beschädigung einer Sache kann der Geschädigte nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Nach § 115 Abs. 1 VVG kann er seinen Anspruch bei der Kfz-Haftpflichtversicherung (Pflichtversicherung nach § 1 PflVG) auch direkt gegen den Versicherer geltend machen.
Rechtsprechung: Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 30.11.2004, VI ZR 365/03) stellt auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung ab: Entscheidend ist, ob ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten halten durfte. Die Darlegungs- und Beweislast dafür liegt beim Geschädigten.
2. Ab welcher Schadenshöhe sind Gutachterkosten erstattungsfähig?
Ob der Schädiger ein Gutachten bezahlen muss, hängt nach dem Bundesgerichtshof nicht allein davon ab, ob die ermittelte Schadenshöhe einen bestimmten Betrag überschreitet, denn bei der Beauftragung kennt der Geschädigte diese Höhe noch nicht. Der später ermittelte Schadensumfang kann aber ein Gesichtspunkt dafür sein, ob ein kostengünstigerer Kostenvoranschlag eines Reparaturbetriebs ausgereicht hätte.
Im Urteil VI ZR 365/03 aus dem Jahr 2004 hat der Bundesgerichtshof nicht beanstandet, dass ein Schaden von mehr als 1.400 DM (715,81 Euro) nicht als Bagatellschaden gewertet wurde. Dieser Betrag lag nach dem Urteil in dem Bereich, in dem nach allgemeiner Meinung die Bagatellschadensgrenze anzusiedeln ist.
3. Zahlt die Kaskoversicherung die Gutachterkosten?
Bei einem Kaskoschaden leistet die eigene Versicherung nach den vereinbarten Versicherungsbedingungen. Nach den Musterbedingungen des GDV erstattet sie die Kosten eines Sachverständigen nur, wenn sie dessen Beauftragung veranlasst oder ihr zugestimmt hat (AKB 2015, A.2.5.3).
Die Musterbedingungen sind eine unverbindliche Bekanntgabe des GDV; abweichende Vereinbarungen sind möglich. Ähnlich bestimmt § 85 Abs. 2 VVG, dass der Versicherer Kosten für die Zuziehung eines Sachverständigen nicht zu erstatten hat, es sei denn, der Versicherungsnehmer ist zu der Zuziehung vertraglich verpflichtet oder vom Versicherer aufgefordert worden.
4. Wie hoch dürfen Gutachterkosten sein?
Im Haftpflichtschaden ersetzt der Schädiger die erforderlichen Gutachterkosten; die tatsächliche Rechnung des Sachverständigen ist dabei ein wesentliches Indiz für den erforderlichen Betrag. Das gilt nicht, wenn die Preisvereinbarung auch für den Geschädigten deutlich erkennbar erheblich über den üblichen Preisen liegt.
Ein einfaches Bestreiten der Erforderlichkeit des Rechnungsbetrags reicht nach dem Bundesgerichtshof grundsätzlich nicht aus, um die geltend gemachte Schadenshöhe in Frage zu stellen (Urteil vom 11.02.2014, VI ZR 225/13, Rn. 8). Anders ist es, wenn sich aus den getroffenen Vereinbarungen Umstände ergeben, die der Rechnung diese Bedeutung nehmen. Entscheidend sind letztlich die tatsächlich erforderlichen, nicht die rechtlich geschuldeten Kosten. Der Schädiger kann zudem darlegen und beweisen, dass der Geschädigte gegen seine Pflicht zur Schadensminderung aus § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB verstoßen hat (Rn. 11).
5. Fazit: Erst die Haftung klären, dann das Gutachten beauftragen
Gutachterkosten sind im Haftpflichtschaden Teil des ersatzfähigen Schadens, soweit die Begutachtung erforderlich und zweckmäßig war; bei Mithaftung werden sie nur anteilig erstattet. In der Kasko gilt der eigene Versicherungsvertrag, und nach den Musterbedingungen werden die Kosten nur nach Veranlassung oder Zustimmung des Versicherers erstattet. Klären Sie deshalb zuerst, wer haftet, und stimmen Sie ein Kaskogutachten vorher mit Ihrem Versicherer ab.
6. FAQ – Häufige Fragen zu Gutachterkosten
Wer zahlt die Gutachterkosten bei Teilschuld?
Haftet der Unfallgegner nur zu einem Teil, muss er die Gutachterkosten nur im Umfang seiner Haftungsquote erstatten. Das hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 7. Februar 2012 (VI ZR 133/11) entschieden. Die Kosten des Gutachtens werden dem Sachschaden zugerechnet und deshalb wie dieser nach der Quote verteilt. Bei einer Haftungsquote des Unfallgegners von 50 Prozent erhalten Sie also die Hälfte der Gutachterkosten erstattet.
Muss ich nach einem Unfall den günstigsten Gutachter suchen?
Nein. Nach dem Bundesgerichtshof darf sich der Geschädigte damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne Weiteres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen; eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen muss er vorher nicht betreiben (Urteil vom 11. Februar 2014, VI ZR 225/13). Kann der Geschädigte aber erkennen, dass der Sachverständige Honorare deutlich über den branchenüblichen Preisen verlangt, muss er einen verfügbaren günstigeren Sachverständigen beauftragen.
Kann ich die Gutachterkosten an den Sachverständigen abtreten?
Eine Forderung kann der Gläubiger nach § 398 BGB durch Vertrag auf einen anderen übertragen; mit dem Vertrag tritt der neue Gläubiger an die Stelle des bisherigen Gläubigers. Treten Sie Ihren Anspruch auf Ersatz der Gutachterkosten an den Sachverständigen ab, macht dieser ihn anstelle von Ihnen geltend. Lesen Sie eine Abtretungserklärung vor der Unterschrift vollständig und fragen Sie nach, wenn Ihnen eine Regelung unklar ist.
Zahlt die Versicherung den Gutachter nach einem selbst verschuldeten Unfall?
Schäden am eigenen Fahrzeug durch einen Unfall sind in der Vollkasko versichert (AKB 2015, A.2.2.2.2). Die Kosten eines Sachverständigen erstattet die Kaskoversicherung nach den Musterbedingungen aber nur, wenn sie die Beauftragung veranlasst oder ihr zugestimmt hat. Zeigen Sie den Schaden Ihrem Versicherer deshalb unverzüglich an (§ 30 Abs. 1 VVG) und klären Sie, ob und von wem ein Gutachten erstellt wird.
Wer trägt die Kosten des Sachverständigenverfahrens in der Kasko?
Bei Meinungsverschiedenheiten über die Schadenhöhe kann nach den Musterbedingungen des GDV auf Wunsch des Versicherungsnehmers vor Klageerhebung ein Sachverständigenausschuss entscheiden (AKB 2015, A.2.6.1). Die Kosten dieses Verfahrens tragen Versicherer und Versicherungsnehmer im Verhältnis des Obsiegens zum Unterliegen (A.2.6.4). Außerdem bleibt die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten.
7. Quellen
- § 7 StVG, abgerufen am 02.10.2026
- § 249 BGB, abgerufen am 02.10.2026
- § 254 BGB, abgerufen am 02.10.2026
- § 398 BGB, abgerufen am 02.10.2026
- § 115 VVG, abgerufen am 02.10.2026
- § 1 PflVG, abgerufen am 02.10.2026
- § 85 VVG, abgerufen am 02.10.2026
- § 30 VVG, abgerufen am 02.10.2026
- GDV, AKB 2015 (Stand 30.04.2025), A.2.2.2, A.2.5.3, A.2.6, abgerufen am 02.10.2026
- BGH, Urteil vom 30.11.2004, VI ZR 365/03, Gründe II.5, abgerufen am 02.10.2026
- BGH, Urteil vom 07.02.2012, VI ZR 133/11, Leitsatz b, Rn. 15, abgerufen am 02.10.2026
- BGH, Urteil vom 11.02.2014, VI ZR 225/13, Rn. 2, 7–11, abgerufen am 02.10.2026
8. Beratung durch unabhängige Kfz-Sachverständige in Hamburg
Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro mit öffentlich bestellten und vereidigten Kfz-Sachverständigen ist an zwei Standorten in Hamburg für Sie da: Wandsbek und Hoheluft. Mehr dazu auf der Seite Kfz-Gutachter in Hamburg. Im Haftpflichtschaden gehören die Kosten eines Gutachtens zum ersatzfähigen Schaden, soweit es zur Durchsetzung Ihres Anspruchs erforderlich und zweckmäßig war; bei einem Bagatellschaden kann das fehlen. Die Kosten eines eigenen Sachverständigen erstattet die Kaskoversicherung nach den Musterbedingungen des GDV (AKB 2015, A.2.5.3) nur, wenn sie die Beauftragung veranlasst oder ihr zugestimmt hat; klären Sie das vorab mit Ihrem Versicherer.
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