Datum 25.10.2023
Abgesenkter Bordstein an einer Querungsstelle mit Kinderwagen und Rollstuhl, daneben ein Auto auf der Fahrbahn

Bordsteinabsenkung / abgesenkter Bordstein: Bedeutung, Parkverbot, Vorfahrt und Absenken lassen

Fachlich geprüft von der Redaktion SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro · Stand: Oktober 2026

Eine Bordsteinabsenkung (abgesenkter Bordstein) ist eine Stelle, an der der Bordstein zwischen Gehweg und Fahrbahn niedriger gebaut ist als daneben, damit Fahrzeuge in eine Grundstückszufahrt oder Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen leichter über die Kante kommen. Für Autofahrer ist der Begriff wichtig, weil die Straßenverkehrs-Ordnung an Bordsteinabsenkungen eigene Regeln zum Parken und zum Einfahren in den Verkehr aufstellt. Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro, TÜV NORD Partner, erklärt hier, was dort gilt; ob ein Fahrzeug vor einer Absenkung abgeschleppt werden darf und wer dann zahlt, beschreibt unser Eintrag Abschleppkosten.

Kurz erklärt:

  • Eine Bordsteinabsenkung ist eine Stelle, an der die Bordsteinkante zur Fahrbahn hin niedriger ist als daneben, etwa an Grundstückszufahrten und an Querungsstellen für Fußgänger.
  • Vor Bordsteinabsenkungen ist das Parken unzulässig (§ 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO), ebenso vor Grundstücksein- und -ausfahrten (Nr. 3); kurzes Halten bis drei Minuten, ohne das Fahrzeug zu verlassen, verbietet die Vorschrift nicht, und Verstöße kosten 10 bis 30 Euro ohne Punkte.
  • Eine feste Meterzahl nennt § 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO nicht – die 5-Meter-Grenze der Straßenverkehrs-Ordnung gilt an Kreuzungen und Einmündungen (§ 12 Abs. 3 Nr. 1 StVO).
  • Wer über einen abgesenkten Bordstein auf die Fahrbahn einfährt, muss eine Gefährdung anderer ausschließen, sich erforderlichenfalls einweisen lassen und den Blinker setzen (§ 10 StVO).

1. Was ist eine Bordsteinabsenkung – und was gilt als abgesenkter Bordstein?

Bordsteinabsenkungen sind Stellen, an denen der Bordstein niedriger gebaut ist als an der übrigen Gehwegkante. Sie gibt es vor allem an Grundstückszufahrten, damit Fahrzeuge über den Gehweg ein- und ausfahren können, und an Querungsstellen, an denen Fußgänger, Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen die Fahrbahn ohne hohe Stufe erreichen.

Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Die Straßenverkehrs-Ordnung verwendet den Begriff an zwei Stellen. Sie verbietet das Parken „vor Bordsteinabsenkungen“ (§ 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO) und regelt das Einfahren „über einen abgesenkten Bordstein hinweg“ auf die Fahrbahn (§ 10 StVO). Eine eigene Begriffsbestimmung, eine Mindestlänge oder eine Höhe in Zentimetern enthält die Straßenverkehrs-Ordnung nicht.

Rechtsprechung: Wie wichtig eine Absenkung für schwächere Verkehrsteilnehmer sein kann, hat das Verwaltungsgericht München für eine Absenkung im Einmündungsbereich einer Straße festgehalten: Sie sei als Querungsstelle „insbesondere für Rollstuhlfahrer, für Fußgänger mit Gehhilfen oder mit Kinderwägen, für Fahrradfahrer“ nicht nur genutzt, sondern unabdingbar (VG München, Urteil vom 13.03.2023, M 23 K 21.5650, Rn. 16).

Praxis: Nicht jede niedrige Kante ist auf den ersten Blick als Bordsteinabsenkung zu erkennen. Bei durchgehend niedrig gebauten Gehwegkanten oder bei Wasserrinnen, die optisch einer Bordsteinkante ähneln, ist für Verkehrsteilnehmer oft nicht klar erkennbar, ob die Regeln für abgesenkte Bordsteine gelten. Eine feste Längengrenze, etwa 5 Meter, nennt die Straßenverkehrs-Ordnung dafür nicht. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

2. Darf man vor einem abgesenkten Bordstein parken – und gilt eine 5-Meter-Regel?

Nein, vor einem abgesenkten Bordstein dürfen Sie nicht parken; kurzes Halten bis zu drei Minuten, ohne das Fahrzeug zu verlassen, verbietet die Vorschrift dagegen nicht. Eine Mindestentfernung in Metern legt die Regel für Bordsteinabsenkungen nicht fest – die bekannte 5-Meter-Grenze betrifft Kreuzungen und Einmündungen.

Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Das Parken ist „vor Bordsteinabsenkungen“ unzulässig (§ 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO). Parken ist dabei mehr als Halten: „Wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als drei Minuten hält, der parkt“ (§ 12 Abs. 2 StVO) – das Verlassen des Fahrzeugs allein genügt, auch wenn es kürzer als drei Minuten dauert. Daneben ist das Parken vor Grundstücksein- und -ausfahrten unzulässig, auf schmalen Fahrbahnen auch ihnen gegenüber (§ 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO). Die 5-Meter-Grenze, nach der viele suchen, steht in einer anderen Nummer: Vor und hinter Kreuzungen und Einmündungen ist das Parken bis zu je 5 m von den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten unzulässig, vor Kreuzungen und Einmündungen bis zu je 8 m, soweit in Fahrtrichtung rechts neben der Fahrbahn ein Radweg baulich angelegt ist (§ 12 Abs. 3 Nr. 1 StVO). Ausnahmen für Anwohner oder für den Eigentümer eines Grundstücks nennt § 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO nicht; liegt eine Bordsteinabsenkung vor einer Grundstückszufahrt, kann der Eigentümer deshalb nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass er vor seiner eigenen Ausfahrt parken darf. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Das Parken vor einer Bordsteinabsenkung kostet nach dem Bußgeldkatalog ein Verwarnungsgeld; Punkte im Fahreignungsregister gibt es dafür nicht:

Fall Verwarnungsgeld Punkte
Grundfall 10 Euro (BKat Nr. 54) kein Punkt
Mit Behinderung 15 Euro (BKat Nr. 54.1) kein Punkt
Über 3 Stunden 20 Euro (BKat Nr. 54.2) kein Punkt
3 Std. mit Behinderung 30 Euro (BKat Nr. 54.2.1) kein Punkt

Die Beträge stehen in Nr. 54 bis 54.2.1 des Bußgeldkatalogs (Anlage zur BKatV); Nr. 54 erfasst alle Fälle des § 12 Abs. 3 Nr. 1 bis 5 StVO, also auch das Parken vor Grundstücksein- und -ausfahrten. Punkte vergibt das Fahreignungs-Bewertungssystem nur für die Verstöße, die Anlage 13 zur Fahrerlaubnis-Verordnung aufführt; beim Parken und Halten nennt sie andere Nummern des Bußgeldkatalogs, Nr. 54 nicht (Kraftfahrt-Bundesamt, Anlage 13 FeV, Nr. 3.2.7 bis 3.2.7d). Ob ein Fahrzeug vor einer Bordsteinabsenkung zusätzlich umgesetzt werden darf, ist eine eigene Frage – mehr dazu im Eintrag Abschleppkosten.

3. Wer hat Vorfahrt, wenn Sie über einen abgesenkten Bordstein auf die Fahrbahn fahren?

Wer über einen abgesenkten Bordstein auf die Fahrbahn einfährt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Diese Pflicht steht in § 10 StVO; dort ist auch das Einfahren aus einem Grundstück geregelt. Den Fahrtrichtungsanzeiger müssen Sie dabei setzen.

Geltendes Recht (Stand: Oktober 2026): Nach § 10 Satz 1 StVO hat sich, wer „über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren“ will, „so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss man sich einweisen lassen“. Die Absicht einzufahren ist rechtzeitig und deutlich anzukündigen, dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen (§ 10 Satz 2 StVO). Die Regel „rechts vor links“ steht dagegen in § 8 Abs. 1 StVO und betrifft Kreuzungen und Einmündungen: Dort hat die Vorfahrt, wer von rechts kommt, sofern Verkehrszeichen nichts anderes regeln.

Praxis: Ob eine Stelle eine Einmündung mit „rechts vor links“ ist oder eine Ausfahrt über einen abgesenkten Bordstein, ist im Straßenbild nicht immer eindeutig – etwa wenn Wasserrinnen oder flache Kanten wie eine Bordsteinabsenkung aussehen. Im Zweifel ist vorsichtiges Einfahren der sichere Weg. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

4. Bordstein absenken lassen: Wie läuft der Antrag in Hamburg?

Einen Bordstein dürfen Sie nicht selbst absenken: In Hamburg wird die Absenkung als Gehwegüberfahrt bei der zuständigen Stelle beantragt; die Arbeiten im öffentlichen Straßenraum beauftragt in der Regel die Stadt. Antragsberechtigt ist der Eigentümer des Grundstücks oder wer eine Vollmacht des Eigentümers hat.

Praxis: Nach den Angaben der Stadt auf hamburg.de (Gehwegüberfahrt Herstellung beantragen) beantragen Sie die Gehwegüberfahrt schriftlich oder über einen Online-Dienst und reichen einen Hauptantrag, einen maßstabsgerechten Lageplan, einen Auszug aus dem Liegenschaftskataster und Fotos der Örtlichkeit ein. Nach positiver Prüfung erhalten Sie einen Genehmigungsbescheid, unter Umständen mit Bedingungen und Auflagen; auf die Herstellungskosten ist eine Vorauszahlung zu leisten. Die Antragsbearbeitung erfolgt in der Regel zeitnah, die Herstellung durch die zuständige Stelle dauert mindestens 3 Monate. Selbst hergestellte Überfahrten, zum Beispiel mit Holzbalken oder Stahlrampen, sind nicht erlaubt. Gehört die Überfahrt zu einem Bauvorhaben im konzentrierten Baugenehmigungsverfahren, enthält die Baugenehmigung auch die Erlaubnis für die Gehwegüberfahrt.

5. Fazit: Nicht davor parken, vorsichtig darüber fahren

Eine Bordsteinabsenkung erleichtert Fahrzeugen und Fußgängern den Weg über die Bordsteinkante. Davor ist das Parken verboten, wie vor Grundstücksausfahrten; kurzes Halten ohne Verlassen des Fahrzeugs bis drei Minuten nicht. Verstöße kosten 10 bis 30 Euro, ohne Punkte. Wer über einen abgesenkten Bordstein auf die Fahrbahn fährt, muss eine Gefährdung anderer ausschließen, sich nötigenfalls einweisen lassen und blinken. Planen Sie eine eigene Zufahrt, beantragen Sie die Absenkung rechtzeitig bei der zuständigen Stelle.

6. FAQ – Häufige Fragen zur Bordsteinabsenkung

Wie hoch ist ein abgesenkter Bordstein?

Eine bestimmte Höhe in Zentimetern schreibt die Straßenverkehrs-Ordnung nicht vor: Sie spricht nur von „Bordsteinabsenkungen“ und vom „abgesenkten Bordstein“, ohne Maße oder eine Mindestlänge zu nennen. In Hamburg nennt die Stadt als Voraussetzung für eine neue Gehwegüberfahrt, dass die höhenmäßige und optische Durchgängigkeit des Gehwegs erhalten bleibt; die genaue Ausführung stimmt die zuständige Stelle im Genehmigungsverfahren ab.

Gilt das Parkverbot auch gegenüber einer Bordsteinabsenkung?

Nach dem Wortlaut nicht: § 12 Abs. 3 Nr. 5 StVO verbietet das Parken „vor Bordsteinabsenkungen“. Ein Parkverbot auch gegenüber gibt es nur für Grundstücksein- und -ausfahrten auf schmalen Fahrbahnen (§ 12 Abs. 3 Nr. 3 StVO). Verstöße kosten nach Nr. 54 des Bußgeldkatalogs 10 bis 30 Euro, Punkte fallen dafür nicht an. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Woran erkenne ich einen abgesenkten Bordstein?

Eine Begriffsbestimmung enthält die Straßenverkehrs-Ordnung nicht. Typisch ist eine Stelle, an der die Bordsteinkante zur Fahrbahn hin niedriger ist als links und rechts davon, oft an Grundstückszufahrten oder an Querungsstellen für Fußgänger. Bei durchgehend niedrigen Kanten oder Wasserrinnen ist das für Verkehrsteilnehmer oft nicht klar erkennbar. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Muss ich blinken, wenn ich über einen abgesenkten Bordstein auf die Fahrbahn fahre?

Ja. Wer über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren will, muss das nach § 10 Satz 2 StVO rechtzeitig und deutlich ankündigen und dabei den Fahrtrichtungsanzeiger benutzen. Zusätzlich muss er sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist, und sich erforderlichenfalls einweisen lassen (§ 10 Satz 1 StVO).

Was kostet eine Bordsteinabsenkung in Hamburg?

Einen Festpreis nennt die Stadt nicht. Nach den Angaben auf hamburg.de setzen sich die Kosten einer Gehwegüberfahrt aus einer Verwaltungsgebühr von 50 bis 800 Euro und den Herstellungskosten zusammen, die von Größe und Beschaffenheit der Überfahrt abhängen. Beide Teile trägt die antragstellende Person; auf die Herstellungskosten ist eine Vorauszahlung zu leisten.

8. Beratung durch unabhängige Kfz-Sachverständige in Hamburg

Haben Sie in Hamburg beim Ein- oder Ausfahren über einen Bordstein aufgesetzt und möchten prüfen lassen, ob Fahrwerk oder Achsgeometrie Ihres Fahrzeugs gelitten haben? Die Sachverständigen im SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro vermessen das Fahrwerk und dokumentieren das Ergebnis. Das SZH Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüro mit öffentlich bestellten und vereidigten Kfz-Sachverständigen ist an zwei Standorten in Hamburg für Sie da: Wandsbek und Hoheluft. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Fahrwerksvermessung. Klären Sie vorab, wer die Kosten trägt.

Jetzt Kontakt aufnehmen oder bequem einen Online-Termin vereinbaren.

Teilen Sie den Artikel
Facebook Facebook Twitter Twitter